Garten Eden 2.0 - Die Jugendkirche Bremen

Jahresbericht 2010

In ihrem ersten aktiven Jahr ist die Jugendkirche Bremen ihren Zielen, sich zu einem Veranstaltungsort mit sozialdiakonischen, jugendkulturellen und gottesdienstlichen Angeboten zu entwickeln, ein ganzes Stück näher gekommen. Zielgruppe sind Jugendliche ab 14 Jahren. Das inhaltliche Programm soll kirchengemeindliche Angebote ergänzen und bereichern. Die Jugendkirche soll sich zu einem Ort der Begegnung entwickeln, wo auch über konfessionelle Grenzen hinaus über Fragen von Lebensorientierung, Sinnsuche und Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung kreativ nachgedacht wird.

Eröffnung, Programmentwicklung

 

Am 27. Februar 2010 wurde die Jugendkirche Bremen mit einem Gottesdienst feierlich eröffnet. 250 Menschen feierten mit uns, erkundeten die Räumlichkeiten und informierten sich über das zukünftige Programm. Erste Workshops fanden in den Osterferien statt, Konfirmanden- und Jugendgruppenteams trafen sich zu Seminaren, Schul-AGs nutzten die Kirche als Lern- und Probenraum.

 

Unser zentrales Projekt im ersten Halbjahr nach der Eröffnung war die Entwicklung des Musicals „Jakobs Aufbruch". Unter der Anleitung eines professionellen Teams aus Schauspiel und Regie, Tanz und Musik wurde die Familiengeschichte um Jakob aus dem Alten Testament ins Heute übersetzt. 23 Jugendliche waren inhaltlich beteiligt und probten regelmäßig in der Kirche. Zu allen vier Aufführungen im Juli und September konnten wir insgesamt 779 Menschen in der Jugendkirche begrüßen. Mit dem Musicalprojekt ist es gelungen, kirchenferne Jugendliche und junge Menschen aus verschiedenen Bremer Gemeinden und Stadtteilen anzusprechen und zu beteiligen. Aus diesem Projekt sind eine Theatergruppe und eine Band mit Chor entstanden, die an einem Musiktheaterstück in Anlehnung an die Schöpfungsgeschichte arbeiten unter inhaltlicher Beteiligung der Jugendlichen.

 

Im 2. Halbjahr wurde die Reihe „Soul-Food" entwickelt, eine Zeit zum Auftanken für Leib und Seele am Sonntagnachmittag mit gemeinsamem Gottesdienst und gemeinsamem Essen im Anschluss. Dieses 14-tägige Ange-bot etabliert sich nur sehr mühsam, die Resonanz ist noch gering, Jugendliche aus anderen Stadtteilen nutzen den Gottesdienst nicht, es bildet sich aber eine kleine „Kern-gemeinde". Das Konzept wird weiter entwickelt.

 

Das Team der Jugendkirche beteiligte sich mit einem speziellen Programm für Jugendliche an der Nacht der Kirchen. Beim jährlichen Event der Evangelischen Jugend Bre-men waren wir sowohl in der Organisation, als auch programmatisch engagiert.

 

Weiterhin gab es einige Veranstaltungen in Kooperation mit Einrichtungen der BEK, wie dem Posaunenwerk, der Norddeutschen Mission und der Ökumenischen Initiative, Kolle-gInnen aus dem ReferentInnenpool der Evangelischen Jugend veranstalteten Mitar-beiterschulungen und Seminare, und der Vorstand der Evangelischen Jugend traf sich regelmäßig zu Sitzungen im Teamhaus, dem ehemaligen Gemeindehaus.


Eine ökumenische Veranstaltung mit dem Katholischen Jugendbüro und dem BdKJ, eine Kooperation mit dem Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge zum Thema „Frieden und Versöhnung" und Kooperationen mit der Gesamtschule West und der Johann-Heinrich-Pestalozzi-Schule waren Bestandteile des Programms.

Die Kirche wurde für Fachtage und Konferenzen genutzt und diente als Ausstellungsraum.


Die Projektleitung hat ein Kleinkonzept für die Arbeit der Jugendkirche formuliert und war dreimal zu Vorträgen zur Projektvorstellung eingeladen.

 

RAZ - Berufsorientierung

 

Seit August 2009 ist Heidi Remmers, Diplom-Sozialwissenschaftlerin, an zwei Nachmittagen in der Woche beratend in der Jugendkirche tätig. Hierbei stehen die Ausbildungs- und Berufsvorbereitung in Form von Einzelberatungen im Mittelpunkt. Aber auch Probleme in der Schule, Familie und im freundschaftlichen Umfeld können gemeinsam besprochen werden. Zusätzlich fährt Frau Remmers mit einem Beratungsbus, dem „RAZ-Mobil", zur Johann-Heinrich-Pestalozzi-Schule, um vor Ort SchülerInnen in ihrer Suche nach Praktikums- oder Ausbildungsplätzen und geeigneten weiterführenden Schulen zu unterstützen.
Bis heute beläuft sich die Anzahl der Beratungskontakte auf ca. 330 Beratungen (davon hatten ca. 70 % einen Migrationshintergrund).

 

Evaluation

 

Die Projektleitung sammelt regelmäßig Daten zu den Veranstaltungen in den Räumen der Jugendkirche. Insgesamt fanden 164 Veranstaltungen statt.
94 Veranstaltungen in eigener Regie waren Workshops, Probentermine für Schauspiel und Band, Gottesdienstreihe „Soul-Food", Info- und Planungstreffen für ehrenamtliche Teams, Einheiten für Schulklassen, Führungen und Vorträge für MultiplikatorInnen.
33 Veranstaltungen der Evangelischen Jugend und von BEK Gruppen waren Fachtage für Hauptamtliche, Seminare im Rahmen der Ehrenamtlichen-Schulungen, Vorstandssitzungen und Konfirmandentage.
37 Veranstaltungen von Gastgruppen waren Treffen von Schultheater-AGs, Lehrerfortbildung, kommunale Ausschusssitzungen und ein Gitarrenkurs.

 

Veranstaltung

Anzahl

TN 1. Halbjahr

TN 2. Halbjahr

TN Gesamt

in eigener Regie

38+56

1.236

1.109

2.345

BEK Gruppen

7+10

178

482

660

EJHB / Pool

8+8

93

30

223

Gastgruppen

10+27

152

407

559

 

Demnach haben Jugendliche und Erwachsene 3.787 Mal die Jugendkirche besucht.
Die Herkunft der Teilnehmenden lässt sich weiter differenzieren:
Aus den Gemeinden der BEK: 2.302
Aus Bremer Schulen: 817
Andere: 668

 

Öffentlichkeitsarbeit

 

Um die Transparenz der Arbeit der Jugendkirche zu erhöhen sind drei BEK-interne Infobriefe per Mail und per Post an alle Delegierten und Hauptberuflichen versandt wor-den. Der Newsletter aus dem Garten Eden 2.0 erreicht 120 Personen und ist bisher neunmal erschienen. Die KollegInnen aus der Jugendarbeit der BEK werden regelmäßig über Aktionen in der Jugendkirche informiert.
Die Jugendkirche hält Kontakt zum AfÖ und zum epd, zu Bremer Printmedien (WK, Anzeigenblätter, Stadtmagazin MIX, Bremer Westen), zu Radio Bremen und den regionalen TV-Sendern.
Ein kleines ehrenamtliches Team betreut den Auftritt der Jugendkirche im Social Network Facebook und arbeitet an der Gestaltung einer eigenen Homepage. Der Internetauftritt der Homepage der EJHB wird hauptsächlich von Thomas Staenicke betreut, herzlichen Dank an dieser Stelle.

 

Einbindung und Vernetzung

 

Die Projektleitung nimmt regelmäßig an den Sitzungen des Poolteams, an den Planungskonferenzen im Landesjugendpfarramt, an den Zusammenkünften des Vertrauensrates und am AK West teil. Sie informiert regelmäßig den Beirat Pool/Jugendkirche und den Ausschuss für Kinder, Jugend und Bildung. Im Kirchenausschuss gab sie im August einen Zwischenbericht, auf der Herbstsitzung des Kirchentages wurde gemeinsam mit Jugendlichen aus der Arbeit berichtet.
Auf Stadtteilebene engagiert sich die Jugendkirche im AK Kinder und Jugend im Bremer Westen und im Präventionsrat West, sie hält Kontakt zu Kultur vor Ort, an einer zukünftigen Kooperation im Bereich Kostüm und Bühnenbild wird gefeilt. Zur KTH Gröpelingen besteht gute Nachbarschaft durch regelmäßigen Austausch mit den Leiterinnen.

 

Umbau- und Renovierungsmaßnahmen, Ausstattung und Raumnutzung

 

Der Großteil der Umbau- und Renovierungsarbeiten ist abgeschlossen. Die sanitären Anlagen im Café sind modernisiert, im Teamhaus ist die südliche Fensterfront komplett erneuert worden. Die Feuchtigkeit im Keller bereitet weiterhin Probleme, so dass zwei Räume nicht genutzt werden können. Das gesamte Raumklima im Keller ist für die Gruppenarbeit weiterhin nicht optimal. Zurzeit werden zwei Wände getrocknet und grundsaniert, die Bauabteilung bemüht sich um die Lösung des Problems.

Die Kirche wurde mit Veranstaltungstechnik ausgestattet, um gute Voraussetzungen für jugendkulturelle Arbeit, Events und Gottesdienste zu schaffen. Schallisolierungsplatten an den Wänden haben die Raumakustik zwar verbessert, zur Sprachübertragung besteht allerdings noch Optimierungsbedarf. Mobile Trennwände ermöglichen eine differenzierte Raumnutzung.

Die Ausstattung der Büroräume ist abgeschlossen, durch gute Zusammenarbeit mit der EDV-Abteilung konnten zusätzliche Arbeitsplätze für Freiwillige im Sozialen Jahr (Kultur und Weltweit) eingerichtet werden.

 

Personalausstattung

 

Im Team der Jugendkirche sind sechs Personen hauptberuflich beschäftigt:
Projektleitung (38,5 Std.), Musikpädagoge (19,25 Std.), RAZ-Beratung (10 Std.), Reinigung (21 Std.), Haus und Hof (10 Std.), alle Arbeitsverträge sind befristet bis zum 31.3.2012.
Die Stelle FSJ-Kultur (38,5 Std.) ist seit August besetzt, und ein Mitarbeiter aus Costa Rica leistet seit September sein FSJ-Weltweit (25 Std.) in unserem Projekt.
Im April absolvierte eine Schülerin ihr dreiwöchiges Schulpraktikum in der Jugendkirche.

 

Ausblick

 

Die Jugendkirche Bremen ist auf einem guten Weg, die Ziele ihrer Konzeption umzusetzen. Der Projektzeitraum von drei Jahren wird im März 2012 beendet sein. Die Delegierten des BEK Kirchentages entscheiden im November 2011 über das Fortbestehen der Jugendkirche Bremen. Selbstverständlich beeinflusst dies unsere Programmplanung.

Im Jahr 2011 wird der Fokus zum einen auf den weiteren Ausbau der Jugendkirche als Ort der Begegnung mit Strahlkraft ins gesamte Bremer Stadtgebiet liegen. Im Sommer wird es einen Casting-Workshop geben, wo sich eine Gruppe Jugendlicher finden wird, die an einer neuen großen Musiktheaterproduktion arbeiten werden. Thematisch wird es um Gottesbilder und um die Zeit der Pharaonen gehen, die Premiere des Musiktheaters wird zum zweiten Geburtstag der Jugendkirche im Februar 2012 präsentiert.
Zum anderen wird ein Schwerpunkt auf der Arbeit mit Konfirmandengruppen liegen, um die Jugendkirche auch innerkirchlich weiter zu etablieren. Mit sieben Gemeinden ist bereits ein KU-Tag vereinbart worden.
Die Jugendkirche hat die Chance, ihr Musiktheater „Garten Eden 2.0" auf dem Kirchentag in Dresden zweimal zu präsentieren. Es wird eine gemeinsame Fahrt für Mitwirkende und Interessierte angeboten.

Im Bereich des Gottesdienstangebotes wird die Reihe „Soul-Food" fortgesetzt, sie wird stets am letzten Sonntag im Monat von 16-19 Uhr stattfinden, der Gottesdienst wird um 17 Uhr beginnen. Hierfür müsste die Öffentlichkeitsarbeit verstärkt werden, um eine höhere kontinuierliche Teilnahme zu erreichen.
Der Ausbau der Ehrenamtlichenstruktur ist ein weiterer Bereich, der noch ausbaufähig ist. Im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit ist die Erarbeitung einer Infobroschüre und eines Imagefilmes geplant.

Neben der RAZ-Beratung wird ein Angebot zum Themenbereich „Verschuldung von Jugendlichen" entwickelt. Hier suchen wir den Austausch mit der Inneren Mission, Projekt „Cash up" und der Schuldnerhilfe Bremen.

Im Frühjahr wird auf dem Außengelände mit Hilfe von PraktikantInnen aus der Pestalozzischule eine Wasserlandschaft gestaltet.

Das Projekt Jugendkirche braucht Zeit zum Wachsen, das Team und Jugendliche aus dem Garten Eden 2.0 - Die Jugendkirche Bremen wünschen sich, dass dieses Projekt eine langfristige Chance in der Bremischen Evangelischen Kirche bekommt, die es zu nutzen gilt.


Almut Schmidt, Januar 2011