inclusive Arbeit in der Kinder- und Jugendarbeit in Bremen

Das „Forum inklusiver Evangelischer Jugendarbeit" ist eine offene Fachgruppe innerhalb der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in der Bundesrepublik Deutschland e.V. (aej).
Eine inklusive Jugendarbeit erfordert einen Perspektivenwechsel von der Integration hin zur Inklusion. Dies bedeutet eine neue Denkweise und eine neue Praxis in der Arbeit mit jungen Menschen mit und ohne Behinderung. Zentral ist in dieser neuen Perspektive, dass Menschen mit Behinderung nicht außerhalb der Jugendarbeit oder Gemeindearbeit verstanden werden, sondern 'inklusive' sind, also unverzichtbarer Bestandteil eines Ganzen. Dies impliziert, dass bei sämtlichen inhaltlichen und organisatorischen Planungen diese Menschen ganz selbstverständlich mit berücksichtigt werden. Was dabei herauskommt und wie viel Gewinn es für die Arbeit vor Ort bedeutet, kann unserer Arbeitshilfe „all inclusive" entnommen werden.

 

 

Forum inklusiv auf dem Kirchentag in Bremen
Barrierefreiheit- Fehlanzeige?

 

Spannende Angebote, viele Besucher und viel Neugier im Zentrum Jugend


„all inclusiv" war die verheißungsvolle Mitteilung auf den T-Shirts der Mitarbeitenden des Forums Inklusiv (www.forum-inklusiv.de).
Alle sollen einbezogen werden, alle sollen mitmachen können, wir wünschen uns nicht aussondernde Bedingungen im Zentrum Jugend, im Gemeindealltag, in der Jugendarbeit, im Schulalltag,...wir schauen auf die Fähigkeiten und nicht auf die Defizite, das alles umschreibt den dahinter stehenden Gedanken inklusiver Jugend- und Gemeindearbeit.(vgl auch die Beschlüsse der Delegiertenkonferenz der Evangelischen Jugend im Rheinland vom März 2009)

Am äußersten Ende des Zentrums Jugend, zwischen Großmarkt und Industriegleis, zwischen Kreuzung, querenden Gleisen und Kopfsteinpflaster, gab es für die Besucher viel zu erleben: wie fühlt es sich an, mit einer motorischen Einschränkung der Hände den eigenen Namen zu schreiben, oder die Schuhe zuzubinden?

Was bedeutet es, mit einem Sehrest von weniger als 10 % am Ballspiel teilzunehmen, oder gar ganz ohne Sehvermögen „Mensch- ärgere- dich- nicht" zu spielen. Wie schreibe ich meinen Namen in Braille oder buchstabiere ihn mit dem Fingeralphabet? Und wie transportiere ich einen Becher mit Wasser im Rollstuhl? Das eigene Erleben von Einschränkungen weckt Verständnis und öffnet das Denken für den alltäglichen Umgang miteinander, so werden wir sensibel für eine inklusive Praxis.Das Interesse an den Angeboten war ungeheuer groß und alle, wirklich alle Aktionen fanden großen Zuspruch.

Unterstützt durch prominente Gäste wie Phil Hubbe, der im Gespräch über seine „behinderten Cartoons" viele gesellschaftliche Missstände auf den Punkt oder besser ins Bild bringt und Rainer Schmidt, der sich jedem Herausforderer im Tisch-Tennis-Match stellte und Eindrücke von den Paralympics wach werden ließ , wurde der Anspruch einer inklusiven Jugendarbeit für alle in seiner Bedeutung sichtbar.

Allen Teilnehmenden war ein freudvoller Lerneffekt garantiert, beim Erlernen der lautsprach- begleitenden Gebärden des „Vater- unser", beim rasanten Spiel auf dem Rollibasketballfeld,
oder beim Gestalten eines Steckstuhls und der Frage nach dem Platz in der Gesellschaft, oder dem Kampf um einen Platz in der Gesellschaft.


Darüber hinaus wurde die Gelegenheit zur Information über integrative Jugendarbeit und /oder der Weg zu inklusiver Gemeindepraxis intensiv genutzt und der Infostand des Forums war ständig gut besucht.
Hier gab es Gelegenheit die Praxismappe mit vielen gelungenen Beispielen integrativer Praxis zu erwerben oder sich im persönlichen Gespräch Anregungen zu holen.
All inklusiv, darunter verstehen die Mitarbeitenden des Forums eine Kinder- und Jugendarbeit, die allen Jugendlichen den Zugang ermöglicht, und durch die Qualität der Vielfalt überzeugt.

So auch das Anliegen während des DEKT! Nach diesem Verständnis wären alle Veranstaltungsorte bspw. im Zentrum Jugend während des DEKT so zu gestalten, dass Jugendliche mit Handicaps egal ob sehbehindert, körperbehindert, hörgeschädigt, intellektuell oder emotional anders verstehend, daran teilhaben können.

Leider konnte dieser Kirchentag diesem Anspruch nicht genügen! Trotz sorgfältiger Anfragen und Hinweise der Mitglieder des Forums inklusiv bei den Planungen lange im Vorfeld des Kirchentages war Barrierefreiheit nicht einmal im Zentrum Jugend gegeben. Da, wo Jugendarbeit stattfindet, Beteiligung ermöglicht werden soll, war der Zugang für Jugendliche im Rollstuhl z.B. kaum möglich. Das Zentrum Jugend war geteilt, und lediglich der Bereich, in dem das Forum seine vielfältigen Aktivitäten anbot, war einigermaßen barrierefrei.

So weit so schlecht!
Auf dem Weg zu barrierefreien Gestaltung von Großevents und der Entwicklung einer inklusiven Praxis müssen noch viele Barrieren überwunden werden.
Wir hoffen darauf, dass dann Workshopräume zugänglich sind, eine gute Arbeitsatmosphäre möglich ist und die Helfer darüber informiert sind, wo welche Workshops stattfinden!
Wir arbeiten gerne daran mit und freuen uns, wenn es beim nächsten DEKT in Dresden besser klappt. Gerne sind wir wieder im Vorfeld der Planungen zur konstruktiven Mitarbeit bereit und wünschen uns, dass wenigstens ansatzweise Forderungen aus der UN-Konvention, die dem deutschen Bildungssystem bezogen auf inklusive Lernbedingungen großen Verbesserungsbedarf auferlegt, umgesetzt werden. Wir freuen uns im Interesse unserer Vision, wenn wir bei den Veranstaltern des DEKT Gehör finden und ein barrierefreies Zentrum Jugend ermöglicht wird.


10.6.2009 Erika Zipf-Bender

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